Waldkauz

Populationsstudie im südlichen zürcher Weinland (CH)

Um den Waldkauz (strix aluco) zu fördern und um wissenschaftliche Daten zu sammeln wurde im Sommer 2006 mit der Vogelwarte Sempach eine Studie ausgearbeitet, welche ich nun betreue. Auf einer Fläche von 104 Quadratkilometern wurden in allen grösseren Waldstücken Nistkasten an geeigneten Stellen angebracht. Innerhablb von ca. 28 Quadratkilometer Waldfläche sind 70 Nistkasten flächendeckend montiert. Im Untersuchungsgebiet sind reine Laubwälder eher selten und Mischwälder mit hohem Fichtenanteil sind die Regel. (Siehe Karte mit den verschiedenen Waldtypen)

Verteilung und Dichte der Nistkasten

Im ganzen Untersuchungsgebiet sollen flächendeckend Nisthilfen an geeigneten Stellen angebracht werden. Mit 70 Nistkästen ergibt dies pro 0,4 km² Wald einen Nistkasten. Dies lässt dem Waldkauz in einem Revier die Möglichkeit den besten Standort zu wählen. Zudem können die andern Nistkästen als Tagesplätze genutzt werden. In einem grösseren Waldstück könnte sich anhand der hohen Dichte der Nistkasten auch durchaus mehrer Paare ansiedeln.

Das Untersuchungsgebiet

Das Gebiet der Populationsstudie befindet sich im südlichen Zürcher Weinland (Schweiz) und umfasst 104 Quadratkilometer. Es können grob drei verschiedene Gebiete unterschieden werden. Der grösste Anteil umfasst die ebenen bis flach hügeligen Wälder auf ca. 450 m.ü.M, welche von Landwirtschaft umgeben sind. Der zweite Gebietstyp beinhaltet die Auenwälder entlang der Thur auf ca. 350 m.ü.M. Der dritte Gebietstyp schliesslich umfasst die hügeligen und zum Teil steil abfallenden Wälder wie zum Beispiel Waldgebiete von Volken, Henggart und dem Irchel mit bis zu 692 m.ü.M.

Ungefähr 27 % der Fläche sind mit Wald bedeckt. Grössere Gewässer fehlen praktisch im ganzen Gebiet. Nebst den vielen kleineren und allein stehenden Waldstücken sind auch grössere, zusammenhängende Wälder vorhanden. Das Studiengebiet ist mehrheitlich von anderen Wäldern umgeben, sodass eine Zuwanderung gut möglich wäre. Einzig im Nordosten fehlen wegen des nahen Thurtales grössere angrenzende Waldstück. Im Süden dagegen grenzen die grossen Waldstücke von Winterthur an das Studiengebiet. Eine vermehrte Einwanderung aus südlicher Richtung wird deshalb angenommen.

Beringung der Waldkäuze

Für die Beringung der Waldkäuze ist eine spezielle Bewilligung erforderlich, welche nur für spezielle Studien erteilt wird. Sobald die jungen Waldkäuze genug gross sind, bekommt jeder Jungvogel einen leichten Aluminiumring um das Bein. Der kleine Ring enthält nebst der Aufschrift der Vogelwarte auch eine einmalige Nummer. Anhand dieser Nummer kann der beringte Waldkauz genau bestimmt werden und der Vogel wird für den Forscher als unverwechselbares Individuum erkennbar. Alle gesamelten Daten werden von der Vogelwarte archiviert und ausgewertet. Anhand der Beringung können Angaben über die Dismigration der Jungvögel, Standorttreue und Lebenserwartungen gemacht werden. Es können aber auch viele weitere Erkenntnisse gewonnen werden. Durch die Beringung kann zum Beispiel untersucht werden, ob die ältesten Jungvögel einer Brut am meisten Überlebenschancen haben oder ob ältere Waldkäuze erfolgreicher brüten als jüngere Waldkäuze. Für solche Auswertungen ist nicht nur das Beringen der Jungvögel wichtig, sondern auch die Kontrollen der Altvögel. Somit wird auch immer versucht mindestens das Weibchen zu kontrollieren, nachdem die Jungvögel geschlüpft sind. Durch Kontrollfänge wird es erst möglich solche Auswertungen zu machen. Das Beringen der Waldkäuze ist nicht ganz unproblematisch, denn die Altvögel verteidigen ihre Brut äusserst agressiv gegen Feinde. Sie scheuen auch den Menschen nicht und greifen diesen aus der Luft an. So hat der weltbekannte Fotograf Eric Hosking durch einen Angriff eines Waldkauzes an der Bruthöhle sein linkes Auge verloren.

Brutergebnisse 2016

Nach zwei guten Brutjahren folgte 2016 ein schlechtes Brutjahr. Dies zeichnete sich durch einen späten Brutbeginn, kleine Gelege sowie viele Singvogelfedern im Nistkasten aus. Insgesamt 8 Bruten mit total 22 Eiern wurden begonnen. Drei Bruten wurden mit den Eiern oder den Jungen aufgegeben, respektive ausgeraubt. Aus den verbleibenden fünf Bruten gingen 15 Jungvögel hervor, welche alle beringt werden konnten. Bei der Gelegegrösse gab es lediglich 2-er und 3-er Gelege, wovon aber meistens ein bis zwei Jungvögel eingingen. Von den 8 Bruten konnten 7 Weibchen kontrolliert werden. Während zwei neue Weibchen im Studiengebiet brüteten, waren die restlichen 5 Weibchen bereits in Vorjahren erfasst worden. Ausser ein Weibchen haben alle den letztjährigen Brutplatz gewechselt und sind in einem nahegelegenen Nistkasten am Brüten gewesen. Ein Weibchen wurde 2014 in einem Nistkasten 5,1km nördlich als Jungvogel beringt.
Nach der schlechten Brutsaison dürfte 2017 wieder erfolgreicher werden, sofern sich die Mauspopulation bis dann wieder erholt hat.

Brutergebnisse 2017

Die Prognosen haben sich bestätigt. Nach dem schlechten Brutjahr 2016 erfolgte unter anderem dank den milden Wintertemperaturen ein Rekordjahr. Es gab 2017 total 21 Brutversuche, wovon 17 erfolgreich waren. Eine Brut wurde vermutlich durch den Marder zerstört, wähend 3 Gelege frühzeitig verlassen wurden. Aus den 75 Eiern schlüpften 65 Jungvögel aus, welche das Ästlingsalter erreichten. Die durchschnittliche Gelegegrösse liegt mit 3,75 Eiern über dem Durchschnitt der letzten Jahre. In einem Nistkasten konnten sogar 7 Jungvögel beringt werden, was auf ein sehr gutes Nahrungsangebot schliessen lässt. Nebst den 8 Kontrollfängen der adulten Weibchen gelangen dieses Jahr auch zwei Kontrollfänge von Jungvögeln aus dem Jahre 2011 und 2015! Interessant ist, dass viele - sonst häufig - benutzte Nistkasten nicht besetzt waren. Es gab dieses Jahr viele Neubesetzungen von Nistkasten. Insgesamt konnte eine hohe Siedulungsdichte festgestellt werden. So brüteten in einem Wald mit 1.73 Quadratkilometern 4 verschiedene Waldkäuze!
Nach dem Spitzenjahr 2017 dürfte die nächste Saison etwas geringer ausfallen. Je nach Härte des Winters etwas mehr oder weniger.



Gefiedermorphen des Waldkauzes

Der Waldkauz kommt in verschiedenen Farbvarianten vor. Die Farbpalette reicht von rotbraun über braun bis hin zu grau. Die Gefiedermorphen sind stufenlos von einem Extrem ins Andere. Die Färbung ist weder ein Hinweis auf Geschlecht, noch auf Alter oder Region. Beobachtungen am Brutplatz haben zudem ergeben, dass sich durchaus unterschiedliche Gefiedermorphen kreuzen. Im Untersuchungsgebiet ist die Mehrheit der Waldkäuze braun gefärbt. Ganz graue, sowie rotbraune Färbungen bilden die Minderheit.