Waldkauz

Bruthabitat

Der natürliche Lebensraum des Waldkauzes hängt stark mit seinen äus-seren Merkmalen zusammen. Das Rindenmuster des Gefieders und die darauf befindlichen Sonnenflecken auf den einzelnen Federn deuten auf den Aufenthalt in alten Laubhölzern hin, durch deren Laubdach die Sonne scheint. Für die Brut sind entsprechend grosse Bruthöhlen erforderlich. Wegen der fehlenden Nahrungsspezialisierung kann die Kleintierfauna vernachlässigt werden. Berücksichtigt man nun diese Kriterien, ergibt sich ein lichter Alt-holzbestand mit Eichen und Buchen, welche über grosse Höhlen verfügen. Durch seine Ortsunabhängigkeit bei der Nistplatzsuche besiedelt der Waldkauz auch gerne Mischwälder und sogar reine Nadelwälder.



Gefährdungsursachen

Eine der grössten Gefährdungsursachen ist die Zerstörung der natürlichen Lebensräume. Insbesondere ist der Waldkauz auf das Vorhandensein von alten Laubbäumen angewiesen, in welchen grosse Höhlen überhaupt erst entstehen können. In unserer Waldwirtschaft werden vermehrt schnell wachsende Nadelhölzer gepflanzt und immer mehr alte Eichen gefällt. Als nach 1740 der Kartoffelanbau in der Schweiz im grossen Stil aufkam, mussten viele Eichenhaine dem Ackerbau weichen. Die Schweine, welche sich früher von den Eicheln im Wald ernährt hatten, bekamen nun immer mehr die Abfälle der Kartoffeln zu fressen. Das Hegen der Eichenwälder verlor so zunehmend an Bedeutung. Ende des 18. Jahrhunderts war das Holz als Rohstoff und als Brennstoff sehr begehrt. Nach der napoleonischen Zeit waren viele ruinierte Gemeinden gezwungen ihre wertvollen Eichen-bestände zur Geldbeschaffung zu liquidieren. Kaum hatte sich die Eichen-wirtschaft etwas erholt, war sie erneut stark getroffen worden. Für den Bau der Eisenbahn wurden Unmengen an Holz für die Schwellen benötigt. Jährlich wurden etwa 150000 Stück der Eichenschwellen verbaut oder ausgetauscht. Während den 50 Jahren Eisenbahnbau wurde der Eichen-bestand drastisch dezimiert (Küchli, 1987, Seite 7 bis 24). Heute findet man keine grösseren Eichenbestände mehr. Im Untersuchungsgebiet wurden zwei kleinere Eichenwälder festgestellt, wovon der eine durch die Gemeinde stark abgeholzt wurde! Der Waldkauz ist bezogen auf die Nistplatzwahl sehr flexibel und weiss sich zuhelfen. So zieht er seine Jungen zur Not auch in Singvogelnestern oder Nischen auf. Der Bruterfolg fällt dann aber deutlich geringer aus als bei Höhlenbruten.

Brutplatz

Nachdem das Männchen dem Weibchen mögliche Nistplätze durch Anfliegen der Bruthöhle signalisiert, wählt das Weibchen den besten Brutplatz aus. Bevorzugwerden hauptsächlich frei anfliegbare Baumhöhlen. Schwarz-spechthöhlen sind wegen der geringen Grösse für eine Brut ungeeignet und werden nur für Tagesplätze verwendet. Da in den einzelnen Revieren meistens nur eine geringe Auswahl an Bruthöhlen zu finden ist, ist der Wald-kauz nicht wählerisch. Die Brutplätze sind in der Regel unterhalb von 15 m und können durchaus in Bodennähe sein. In Wäldern ohne zweckmässige Höhlen oder Baumarten, welche aufgrund ihres Durchmessers keine ge-eigneten Höhlen enthalten können, nimmt der Waldkauzauch alte Greifvogel-horste oder Nester grösserer Singvögel (Krähen- und Amselnester) an. Auf-grund von Abholzungen von Althölzern mit möglichen Brutplätzen werden Nistkästen sehr gerne angenommen. In die ausgewählte Bruthöhle wird kein Material eingetragen, sondern lediglich eine Nistmulde gescharrt. Hingegen werden störende Gegenstände aus der Höhle geworfen. Meistens sind dies Eichhörnchenkobel, Wespen- oder Vogelnester. Als grösste höhlenbewohn-ende Eulenart hat der Waldkauz praktisch keine Brutplatzkonkurrenz.

Gelegegrössen

Die Gelegegrössen können je nach Jagdgebiet stark variieren und hängen vorwiegend vom Nahrungsangebot ab. In der Regel werden aber 2 bis 4 Eier gelegt. In guten Mausjahren können aber durchaus auch 6 oder 7 Eier in der Bruthöhle gefunden werden. Die Gelegegrössen im Untersuchungsgebiet variieren immer und werden in der Studie publiziert. In Jahren mit wenig Nahrung bleiben die Waldkäuze dem Revier oft treu, schreiten aber erst gar nicht zur Brut. Im nächsten Jahr brüten die Waldkäuze dann oft wieder im selben Gebiet und können dann Junge gross ziehen.

Brut

Es brütet ausschliesslich das Weibchen. Während das Weibchen auf den Eiern sitzt, wird es vom Männchen mit Mäusen versorgt. Nach Einbruch der Dunkelheit verlässt das Weibchen kurz die Bruthöhle, bäumt aber in der Nähe der Bruthöhle auf. Die Eier werden ca. 28 Tage bebrütet. Da ab dem ersten Ei gebrütet wird und etwa alle 2-3 Tage ein neues Ei gelegt wird schlüpfen die Jungen auch nach einander aus. Mit dem sogenannten Eizahn wird dann die Eischale durchbrochen. Sobald der erste Jungvogel geschlüpft ist, beginnt das Männchen Futter einzutragen. Dies führt dann häufig zu regelrechten Futterdepots in den Bruthöhlen

Die Jungen

Die frisch geschlüpften Jungen wiegen erst 30 g und wärmen sich gegen-seitig. Die Jungen sind die ersten 7 Tage noch blind.Nach ca. 14 Tagen brechen die Fahnen aus den Kielen der Schwingen und auf dem Rücken ist das braune wellenförmige Dunenkleid sichtbar geworden. Mit 2 Wochen wiegt ein Waldkauz bereits etwa 250 g. Nach 21 Tagen erscheinen dann die Kiele des Schwanzgefieders. Nach gut 28 Tagen können die Jungen schon richtig gut klettern und auch laufen. In diesem Alter sind sie häufig am Flugloch zu sehen und fliegen dann bald aus.

Nach dem Ausfliegen sitzen die Ästlinge rund um die Bruthöhle. Die jungen Eulen können in diesem Alter allerdings noch nicht wirklich fliegen. Dafür sind sie ausgesprochen gute Kletterer und können auch sehr schnell und gut laufen. Nur in den ersten Tage nach dem Ausfliegen halten sich die Jungen Waldkäuze noch in den tieferen Baumregionen auf. Sie erklettern dann bald die Wipfel der Bäume und werden dann noch einige Wochen von den Eltern betreut und in die Jagdtechnik eingeführt.

Waldkauz Ästlinge

Ästlinge sind die noch nicht flügge gewordene Jungen des Waldkauzes, welche die Bruthöhle zwar verlassen haben, jedoch auf Ästen sitzend von den Altvögeln weiterversorgt werden. Es ist also ganz normal, dass die Waldkauz-Ästlinge nach dem Verlassen der Bruthöhle nicht fliegen können. Haben die Jungen einmal die Bruthöhle verlassen, werden sie auch nicht mehr dort hin zurückkehren. Flatternd versuchen sie einen nahen Ast, einen Baum oder Busch zu erreichen. Von dort klettern sie geschickt mit ihren scharfen Krallen und dem Schnabel in die Höhe. Oft gelingt der erste Flug aber nicht und die Ästlinge fallen zu boden. So können die jungen Waldkäuze auch oft am Boden beobachtet werden. Dies ist für die Eulen ein grosses Risiko, da sie einfach dem Fuchs oder Marder zum Opfer fallen. Vorallem wenn keine grobborkigen Bäume oder geeignete Äste in Bodennähe sind, können die Käuze nur schwer in die Höhe klettern. In diesem Fall, kann man die Jungen problemlos anfassen und auf einen erhöhten Ast setzen um sie vor Fressfeinden zu schützen. Vorsicht ist aber trotzdem geboten, denn die Eltern verteidigen ihre Jungen während dem Ausfliegen besonders agressiv und können selbst Menschen schwer verletzten.